Heilung ist doch immer gut

Endlich spricht mich mal wieder jemand auf mein Lieblingsthema „Heilung“ an!

Es ist meine neue Fußpflegerin. Sie ist eine freundliche Dame mit osteuropäischem Akzent, wahrscheinlich ein paar Jahre jünger als meine Mutter und außerdem die dritte Person, die mich heute fragt, ob ich einen Unfall hatte. Nee, MS, sage ich, weil ich mir abgewöhnt habe, zu sagen, dass ich „etwas habe“. Schließlich wäre es ja, je nachdem wie dieses „etwas haben“ definiert wird, nicht mal gelogen, wenn ich wenn ich mit „Nix“ antworten würde.

Ich will den Interessierten aber keine Wortverständnis-Diskussion anbieten, sondern lieber etwas geben, das sie zwar meist nicht verstehen, wovon sie jedoch wenigstens schon mal gehört haben. Gleichzeitig habe ich dabei den Anspruch an mich selbst meine eher empfindlichen Wortwahlnerven nicht zu strapazieren. Deshalb habe ich mir angewöhnt zu sagen, dass die Ärzte meine derzeitige neurologische Einschränkung MS nennen. So als Kompromiss.

Die Podologin nickt verständnisvoll. Ich habe was für sie, wenn sie an Heilung glauben, sagt sie. Wenn das nicht zu intim für Sie ist. Alles gut, ich höre gerne zu.

Die Atmosphäre ist entspannt, im Hintergrund läuft Dom-Radio mit erstaunlich guter Musik. Ich shazamme „Who’s That Girl“ von Eurythmics, sie schabt die Hornhaut unter meinen Füßen ab und erzählt währenddessen von ihren Erlebnissen in der französischen Stadt Lot. Dort, sagt sie, hat sie eine Erscheinung der Mutter Gottes erlebt und heilendes Wasser getrunken. Dieses Wasser habe sofort ihren schlimmen seelischen Schmerz erträglicher gemacht, denn vorher war sie komplett fertig, sagt sie zweimal und schüttelt dabei den Kopf. Nach dem dritten „so fertig“ wirft sie ein, dass man das vielleicht nicht ganz mit meiner Situation vergleichen kann. Dann fragt sie, ob ich damit etwas anfangen kann und ob ich noch bereit für eine weitere Heilungsgeschichte bin. Klar, ich finde es sehr interessant mehr zu erfahren, sage ich und lächele meine Füße an, die sie nebenbei weiterhin fleißig bearbeitet. Und tatsächlich ist ihre zweite Heilungsgeschichte für mich etwas nachvollziehbarer als die erste. Sie erzählt, dass sie auf einer Waldwanderung in den Pyrenäen mit ihrer Tante so blöd hingefallen sei, dass es ihr wegen der vom Sturz verursachten Knieschmerzen nicht möglich war wieder aufzustehen. Auch da hatte ihr das heilende Wasser geholfen, so dass sie die Wanderung in die Herberge zu Ende bringen konnte.

Und können Sie damit was anfangen, fragt sie am Ende? Na klar, vielen Dank, dass sie ihre Geschichten mit mir geteilt haben, ich werde mir das alles in Ruhe anschauen. Ich schreibe Ihnen das auf, sagt sie und überhört mein, Danke, aber das brauchen Sie nicht. Ich kann mir Städtenamen sehr gut merken. Sie schreibt mir trotzdem auf einen Flyer zur Wunderbaren Medaille Jahreszahlen auf, wann sie in Erscheinung getreten ist.

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Als wir eine halbe Stunde später fertig sind, laufe ich glücklich alleine lachend aus dem Laden. Mein alter Fußpfleger, der übrigens wirklich alt war (82 Jahre – true story) wollte mich mit autogenem Training heilen.  Damals habe ich das alles noch nicht so ganz verstanden, heute bin ich mir ziemlich sicher, dass diese ganzen Leute, egal ob Heiler oder Heilungsstoryüberbringer nicht ohne Sinn in mein Leben gekommen sind.

Später erzähle ich meinem Dad von der Erfahrung bei der Podologin. Er sagt, dass er auch schon viel über Lot gehört hat. Dann lacht er.

Well in the end all that matters is to believe in reaching your goal. I believe in it.

Amen oder xoxo

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P.S.

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