Eine Bahnfahrt die ist…

Der Zug ist voll. Die Fusion unterschiedlichster Gerüche nach nassem Hund, asiatischem Fast Food mit viel Geschmacksverstärker, Kaffee, Bier, gepaart mit verschiedenen Parfumnuancen fasziniert mich irgendwie. Hater würden vermutlich sagen, dass es stinkt. Mich stört es nicht. Ich bin gut drauf, denn ich freue mich auf die Zeit mit meinen Liebsten, meiner Family.  Noch nicht auf meine Kinder oder meinen Mann. Ich arbeite schon seit längerem daran, dass sich das mal ändert, aber das mache ich natürlich wie alles zurzeit – seeeehr langsam und ich brauche auch keine Hilfe, danke.

 

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Die meisten anderen Fahrgäste im ICE nach Berlin Hbf tief wirken trotz Sitzplatzreservierungsdilemma relativ entspannt. Das Personal entschuldigt sich schließlich häufiger über die Durchsprechanlage dafür, dass wir nicht mit dem planmäßig angedachten Modell unterwegs sind und deshalb alle Sitzplatzreservierungen nicht zustande gekommen sind. Die 4,50 sollen wir uns doch bitte im Reisezentrum zurückholen. Wir bräuchten dafür nicht mal unsere Fahrkarte vorlegen (so einfach ist es selten, das glaube ich also erst dann, wenn ich es erlebe).

Ich schaue mich um und hoffe, dass ich interessiert und nicht zu sehr starrend in Richtung der von Männern eingenommenen Vierersitzplatzformation mir gegenüber gucke. Die zwei, die mir quasi schräg gegenüber sitzen finde ich besonders spannend. Einer der beiden trägt einen stylischen, oldschool Adidas Jogginganzug in schwarz mit roten Streifen, den ich auch haben will!

Seine karamellfarbenen Locken schauen unter einer schwarzen Cap hervor und sein Laptop ist so dick, dass ich davon ausgehe, dass er entweder ein total krasses Gamergadget oder einfach nur uralt sein muss. Mein erster Laptop war ähnlich dick, aber der von meinem Ex-Kollegen und Supernerd-gamer sah auch so aus. Von meinem Platz aus wirkte es so, als würde er einfach nur Multimedia-Inhalte konsumieren. Also, who knows?

Sein Nachbar trägt ein T-Shirt mit einem Logo, das zeigt, dass er wahrscheinlich in meinem Kölner Veedel zuhause ist. Er sieht gut aus und kommt mir total bekannt vor, ohne, dass ich erklären könnte warum.

Ich habe kein Buch dabei und das onboard Wifi ist noch langsamer als die EDGE Verbindung auf meinem Phone. Also höre ich Musik, tippe Notizen in mein Handy und schaffe es dabei trotz Atemübungen nicht länger als eine Minute am Stück stillzusitzen. Die Frage woher ich diesen Mann kenne, der wahrscheinlich auch aus der Kölner Südstadt kommt, macht mich voll wuschig.

Der Fahrkartenkontrolleur lenkt mich beim Brain-Durchforsten aller meiner digitalen und analogen Bekanntschaften ab, denn er hat die mit Abstand beste Laune der Gegend. Also des ICE’s, ohne Sitzplatzreservierungen. Er reimt grinsend auf unsere Zielbahnhöfe. Mein Spruch ist: „Und jetzt, jetzt können Sie strahlen auf dem schnellsten Weg nach Ostwestfalen. Meine Nachbarin und ich lachen.

Ich habe endlich 3G Internet auf dem Handy, trotzdem bleibt die Suche nach dem Trainingsanzug für den Moment genauso erfolglos, wie die Antwort nach dem Bekanntheitsverhältnisses des attraktiven Südstädters und mir.

Zuhause schaue ich mir die Fotos meiner WhatsApp Chats durch und siehe da! Im Chat mit BFF ist ein Screenshots des Tinder-Profils des hübschen Typs mit der Frage „Sieht ganz sympathisch aus oder?“ Ich Highfive mich für mein gutes Gesichter-Gedächtnis und bin froh mich wieder anderen etwas wichtigeren Themen wie z.B. der Nachtruhe zu widmen. Gute Nacht!

 

 

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