Is she a normal girl?

Ich wusste schon immer, dass ich nicht normal sein will.

Obwohl… das stimmt nicht ganz. Als Kind wollte ich mal eine Zahnspange, blonde Haare und eine Brille haben, was mein Vater nicht wirklich witzig fand. Sagen wir also nach kurzer Revision, dass ich seitdem ich ungefähr 8 Jahre alt war, nicht mehr normal sein wollte. Ich tat trotzdem alles, was von mir erwartet wurde und teilte das, was ich wirklich dachte nur mit wenigen Menschen.

Einer, den ich mal gut kannte, sagte öfter: „Du siehst immer so nett und unschuldig aus, aber du bist einfach nur seltsam.“ Dabei schüttelte er (wenn er nicht gerade in mir war) bedauernd den Kopf.

Vielleicht hatte er Recht. Jedenfalls hat mein Körper dann wohl irgendwann entschieden bei meiner „Ich bin so anders“ Philosophie miteinzusteigen und zeigt mir gerade wie es ist, wenn eine der normalsten Dinge der Welt quasi nur in Slow Mo oder mit Unterstützung möglich ist. Das hat dazu geführt, dass ich meine Ansichten zum „Normalsein“ etwas überdacht und eventuell sogar angepasst habe. Trotzdem stelle ich mir oft genug die Frage, was der Begriff „normal“ überhaupt bedeutet, denn bei manchen Parametern z.B. Größe, Gewicht oder sexuelle Orientierung geht es schließlich nur um Durchschnittswerte, die ja auch nur eine bestimmte Tendenz wiederspiegeln können.

In einer Stadt in Norddeutschland, nennen wir sie mal Lamron sind alle Menschen ab 14 Jahren 1,97 Meter groß. Dort wäre es dementsprechend total normal 1,97m  groß zu sein. Im Nachbardorf sind die Männer nur 1,80m und die Frauen 1,70m groß. Macht das die 1,97 Meter großen Menschen aus Lamron zu Unnormalos, wenn sie sich im Nachbarsdorf aufhalten? Es scheint also neben der, ich nenne sie mal durchschnittlichen Normalität auch immer um die jeweilige Perspektive zu gehen, die, die Norm bestimmt.

 

Der Duden bezieht sich in seiner Begriffsbedeutung in erster Linie auf die vorherrschende Meinung:

1.a) der Norm (2)entsprechend; vorschriftsmäßig

1.b) so [beschaffen, geartet], wie es sich die allgemeine Meinung als das Übliche, Richtige vorstellt

Dazu gibt es den besonderen Hinweis:

In der veraltenden, wertenden Bedeutung sollte das Wort normalim öffentlichen Sprachgebrauch nicht mehr verwendet werden. Das gilt besonders dann, wenn es als Gegensatzwort zu (geistig) behindertgemeint ist.

Ja, darauf sollte man/frau/mensch tatsächlich achten.

Hier noch die Synonyme:

allgemein] gebräuchlich/üblich, alltäglich, an der Tagesordnung, bewährt, durchschnittlich, eingebürgert, eingefahren, eingeführt, gangbar, gängig, gang und gäbe, gewöhnlich, herkömmlich, landläufig, ordinär, regulär, traditionell, üblich, usuell, vertraut, [weit]verbreitet; (besonders Technik, besonders Militär) konventionell

Und jetzt stelle ich meine Frage zum Abschluss mit etwas anderen Worten „Ist es tatsächlich erstrebenswert gewöhnlich zu sein?“

 

 

In der Zwischenzeit erzählt mir meine BFF von ihrem gestrigen Date und gibt sich wirklich Mühe sein physisches Erscheinungsbild nicht zu beleidigen, wobei man das Beleidigungsbusiness nach dem letztwöchigem Gerichtsurteilsicherlich auch etwas lockerer sehen kann. Wenn Drecksfotze und Stück Scheiße erlaubt sind, dann ist Clown doch wirklich noch total im Rahmen, man könnte es ja sogar süß nennen. Anyway, es wird nicht einfacher für uns Single-Ladies Ü-30. Meine Freundin und ich passen auch nicht unbedingt in den Normalo-Topf, wobei hier natürlich auch wieder die Perspektive eine entscheidende Rolle spielt.

Der junge Taxifahrer, der mich letztens (für eine nach eigenen Angaben „Fick-Beziehung“) klarmachen wollte, die ich dankend, aber vielleicht ein wenig geschmeichelt ablehnte, hatte sich wahrscheinlich nicht wirklich dafür interessiert, dass lange Spaziergänge mit mir zur Zeit ausfallen. Die langen Spaziergänge scheinen aber für Männer in meinem Alter ziemlich existenziell zu sein. Zumindest wollte bisher jeder Mann, den ich mal in irgendwelchen Apps kennenlernte, spannende Aktivitäten erleben und sich erstmal auf ein Kioskbier am Rhein treffen. Schwierig zur Zeit, deshalb auch kein Online-Dating zur Zeit.

BFF möchte einen Mann, der ihren Glauben an Gott teilt. Leider sind die meisten infrage kommenden Männer bereits vergeben oder entsprechen nicht ihrer Vorstellung. Ja, das mit den Vorstellungen ist tatsächlich auch irgendwie schwierig.

Deshalb reden wir oft darüber, dass wir lieber alleine sind, als uns mit irgendwem einzulassen. Being Single is schließlich a Choice. Auch wenn wir kinderlosen Single-Ü-30-Ladies oftmals als total unnormal und bemitleidenswert gelten. „Du bist doch eine tolle Frau! Wie kannst du denn Single sein?“ Gerne werde ich auch gefragt, „Wie kommt denn dein Mann damit klar?“ Dann denke ich „WTF??!! Warum sollte es um die Meinung eines Mannes gehen, wenn ich die bin, die betroffen ist???!! AUßERDEM HABE ICH KEINEN MANN“. Doch anstatt dem Fragensteller gehörig meine Meinung zu geigen, habe ich mich inzwischen dazu entschlossen einfach angepasst, normal zu Lächeln und zu sagen: „Das interessiert ihn nicht.“

 

Ach ja, und der Song des Tages darf passend zum Motto natürlich auch nicht fehlen.

Anders als Solana bin ich zwar damit ok, kein Normal Girl zu sein, aber ich hoffe, dass mein Daddy trotzdem stolz auf mich ist. Selbst wenn es nur dafür ist, dass ich mir seitdem er mir als ich 8 war erklärt hat, dass es ok ist anders zu sein, nie wieder gewünscht hab „normal“ zu sein.

 

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