Trapped, or let’s see you there

Es ist Sonntagvormittag und während ich meine Tasse Kaffee mit Sojamilch trinke, reflektiere ich so vor mich hin. Gestern berichtete ich meiner Freundin Steffi am Telefon von meinen Dating-Experimenten, besonders darüber warum mein Kurzbesuch auf Parship relativ unerfolgreich war.

Aber von Anfang: Don’t get me wrong. Parship beruht sicherlich auf einer guten Idee. Anhand verschiedener Fragen wird das eigene Profil erstellt, in dem man auch einige Dinge über sich selbst lernen kann. Auch wenn ich vorher wusste, dass ich gerne unabhängig bin und dass mir ein harmonisches Verhältnis wichtig ist, ist es trotzdem ganz schön zu lesen, dass der Algorithmus zu einem ähnlichen Ergebnis darüber kommt, was mir in Beziehungsdingen wichtig ist. + 1 für das 2er Boot.

Nachdem die eigenen Ergebnisse eingeloggt sind, folgt die Liste mit den Partnervorschlägen.

Bei mir waren die Männer, mit den meisten Punkten im Herzsymbol z.B. Bürokaufmann, 29 Jahre, Mathematiker, 36 Jahre oder Ingenieur 41 Jahre. Dass der Beruf und nicht der Name an erster Stelle genannt wird gefällt mir nicht.

Ich frage mich, ob der Beruf eines Menschen wirklich so ausschlaggebend für seinen Charakter ist und kann diese Frage so ad hoc echt nicht zufriedenstellend beantworten. Alles was ich weiß, ist dass ich einen coolen Mann kennenlernen möchte, was er beruflich macht interessiert mich dabei erst an zweiter Stelle. Musikgeschmack, positive Vibes und gute Umgangsformen find ich halt wichtiger. Ich ziehe einen Punkt ab für den Job-Fokus. Neutrale 0 für das Boot.

Außerdem werde ich in meiner Freizeit echt gerne geduzt. Parship siezt, und das fühlt sich irgendwie unfreundschaftlich und viel zu professionell an. Nach 1 Stunde bestelle ich abgeturned die Emails mit der Anrede „Sehr geehrte Frau Mixtape“ ab. Schade, – 1.

Nach 3 Tagen unterwegs auf meinem Free-Account bin ich um eine Erfahrung reicher und bereit ein Fazit aus diesem Experiment zu ziehen und das ist eventuell enttäuschend oder auch zu erwarten gewesen. Denn entweder der Algorithmus mit seinen cleveren Merkmalen und Formeln in punkto Beziehungs-Kompatibilität ist gar nicht so großartig wie er beworben wird, oder, und das halte ich für die wahrscheinlichere Variante, hier sind einfach viel weniger Männer, die ich spannend finde.

Ich schaue ernüchtert auf meine Empfehlungen. Die Männer, denen ich ein Lächeln zusenden soll, sind allesamt eher kurzgewachsen, kommen aus Wuppertal, Bonn oder aus dem Saarland und haben erfolgreich klingende Jobtitel. Langweilig!

Faire 3 Punkte Abzug, ohne es persönlich zu nehmen. Insgesamt hängt das 2er Boot vor einem dicken, bis dato unüberbrückbaren Felsen bei – 4 fest… für mich ist es Zeit zu gehen.

Die freundschaftlichen Mails, in denen ich darauf hingewiesen werde, dass ich mit einem Abo alle Fotofreigaben sehen kann, schaffen es nicht mich zu überzeugen.

Deshalb beende ich die professionelle Beziehung zu meinem Dating-Dienst und frage mich, während ich den Button fürs Profillöschen suche, ob es vor allem das „zu bestimmte“ Suchen ist, was mich stört. Brauchen wir heutzutage wirklich Algorithmen, die unsere selbsternannten Vorlieben, Wünsche und Verhaltensmuster analysieren, um einen Partner zu finden?

Mir fällt ein Paar ein, das sich über einen ähnlich schlauen Service kennengelernt hat. Beide sind junge Ärzte, mögen Bier, gehen gerne wandern und sind leidenschaftliche Hobbyköche. Hat der Algorithmus in dieser Konstellation also tatsächlich gute Arbeit geleistet oder hat der Service zwei charakterlich und beruflich ähnlichen Menschen lediglich die Möglichkeit gegeben miteinander in Kontakt zu treten? Ich glaube es war eine Mischung aus beiden Faktoren, vor allem aber, war es die geteilte Erwartungshaltung beider Partner an die Plattform, die sie überzeugte, genau dort, wo man sich alle paar Minuten verliebt, jemanden zu treffen. Ich halte fest: die Mischung macht es hier. Wir haben erstens, das clevere Marketing, wer kennt schließlich nicht die These: „Alle 11 Minuten verliebt sich ein Single auf Parship?“ Sogar meine Oma hatte mich gefragt „Da kannste dich alle paar Minuten verlieben. Ist das nicht was für dich? Zweitens, der Persönlichkeitsfragebogen, der es ermöglicht zu den angegebenen Wünschen und Merkmalen ein passendes Pendant zu finden. Last, but not least, kommt noch das Schicksal hinzu und fertig ist der perfekte Bereit-für-eine-Beziehung-Cocktail.

Wahrscheinlich bin ich schon so an die schöne UX von Tinder gewohnt, dass ich Dating-dienste, die auf Webseiten laufen sowieso total 2000er finde, und auch nicht erwarte in so einer oldschool-Umgebung jemanden kennenzulernen.

Steffi, die ihren Partner übrigens über Tinder kennengelernt hat, als sie vor ein paar Jahren in Paris gelebt hat, lachte am Telefon. „Ja, und wie geht es weiter?“ „Ich hab mich mal wieder, vielleicht so zum 10. Mal bei Tinder angemeldet.“ Ich seufzte. Mein Dating-Verhalten mit den häufigen Konto-Deaktivierungen und schneller erneuter Profilerstellung, wird generell amüsiert belächelt. „Du bist so inkonsequent.“ sagt meine Schwester. „Ach, mach du mal.“ sagt meine Mutter. „Ach ja, aber so ist das halt.“ sagt Steffi.

Und natürlich weiß ich nicht vorher, was in der App so passiert.

ABER, dieses Mal lasse ich es mit den Experimenten und versuche es mal mit Ehrlichkeit.

IMG_1366.png

Ich bekomme relativ viel positive Rückmeldung auf meinen ehrlichen Profiltext und kaum noch Sexanfragen. Make matching great again – High Five to myself!

2 Kommentare

  1. Interessant. So sagt man(n) doch, dass die Frau auf den Status des Mannes steht? Ist dir der Beruf deines zukünftigen Mannes wirklich egal? Egal wahrscheinlich nicht, aber eventuell nicht ganz so wichtig?
    Wie schaut es mit der Bildung bzw. viel mehr mit den Abschlüssen aus? Was ist wenn der Mann kein Akademiker ist, sondern „nur“ eine Ausbildung (Bürkaufmann) hat?
    Meine Arbeitskollegin spricht immer davon, dass sie ja nur Akademiker daten möchte. Die sind eben intellektuell deutlich auf ihrem (Akademiker-) Niveau als andere, Nichtakademiker.

    Liken

    • Hey, danke für deinen Kommentar 🙂 Vielleicht denke ich da anders, weil ich keinen „Ernährer“ suche, sondern einen Freund. Und mein Freund kann theoretisch supergebildeter CEO oder auch Bürokaufmann sein… Ich glaube, dass es auf andere Faktoren ankommt, z.B. dass man Interessen teilt oder ähnliche Wünsche für die Zukunft hat.
      Vielleicht wünscht sich deine Arbeitskollegin deshalb eher einen Akademiker, weil sie glaubt mit so einem Mann eine bessere Zukunft zu haben 😉 Aber das weiß ich nicht…

      Gefällt 1 Person

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